Aktiencheck

Aktien bewerten: Wie geht das?

Nur mit einem eingehenden Aktiencheck entscheiden sich Privatanleger für die richtigen Wertpapiere. Bei einer solchen Analyse sollten Investoren mehrere Faktoren einbeziehen. Diese reichen von aktuellen Kennzahlen über Unternehmensstrategien bis hin zum Kursverlauf.

Wichtige Kennzahlen begutachten

Aktien & Wertpapiere

Beim Lesen von Börsendaten stoßen Anleger auf eine Reihe an Kennzahlen, die wichtige Auskünfte über eine Aktie geben. Das trifft zum Beispiel auf die Dividendenrendite zu. Diese Prozentzahl besagt, welche Rendite Investoren zum aktuellen Kursniveau bei den jährlichen Ausschüttungen erwarten können. Zahlt eine Gesellschaft 5 Euro pro Aktie bei einem Kurs von 100 Euro, liegt die Dividendenrendite bei 5 %. Wer sich diese sichern will, muss nun zugreifen. Würde die Aktie auf 200 Euro bei gleichen Ausschüttungen steigen, sinkt die Rendite auf 2,5 %. Aber Vorsicht: Anleger sollten nicht nur diese Kennzahl einbeziehen. Zum einen sollten sie herausfinden, ob sie weiterhin mit so hohen Dividendenzahlungen rechnen können. Unternehmen legen diese jährlich neu fest. Hinweise geben die vergangenen Ausschüttungen: Waren diese in der Höhe stabil oder stiegen sogar, liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich dies fortsetzt. Zum anderen interessiert die Kursentwicklung. Eine hohe Dividendenrendite bringt nichts, wenn die Aktie massiv an Wert verliert.

Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis verdient bei einem Aktiencheck Berücksichtigung. Es sagt aus, wie hoch die Anleger ein Wertpapier momentan bewerten. Dazu teilen Analysten den aktuellen Kurs durch den Gewinn je Aktie. Der Gewinn je Wertpapier errechnet sich wiederum aus dem Konzerngewinn geteilt durch die Anzahl an ausgegebenen Aktien. Wenn dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis niedrig liegt, gehen Analysten von einem Potenzial für Kurssteigerungen aus. Allerdings gibt es keinen allgemein gültigen Richtwert, Anleger müssen das im Einzelnen betrachten. Viele High-Tech-Firmen investieren zu Beginn zum Beispiel viel Geld, verdienen aber kaum etwas. Die Kennzahl notiert sehr hoch. Wenn sich das Geschäftskonzept aber durchsetzt und die Einnahmen später sprudeln, kann auch der Kurs stark steigen. Dann hätten Investoren schon früher Aktien erwerben sollen. Als hilfreich erweist sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis aber bei der Bewertung von mehreren Aktien einer Branche, etwa von Autoaktien. Dank dieser Kennzahlen sehen Anleger, welches Papier eher überbewertet und welches eher unterbewertet ist.

Potenzial eines Unternehmens prüfen

Zudem kommt es immer auf die Firmenstrategie und den -erfolg an, für einen Aktiencheck reichen nicht allein Kennzahlen. Die besten Daten helfen nichts, wenn ein Unternehmen in Kürze in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Andersherum kann eine Gesellschaft sich mit einem überzeugenden Konzept aus einer ökonomisch schlechten Lage herausarbeiten. Investoren sollten deshalb prüfen, in welcher Situation sich ein Unternehmen momentan befindet und wie die Perspektive aussieht. Beispiele: Bei einem gut verdienenden Energiekonzern mit vielen Atomkraftwerken, der bald Anlagen aufgrund eines beschlossenen Ausstiegs aus der Kernkraft schließen muss, drohen Kursverluste. Ein Internetkonzern mit einer innovativen Idee, mit der höchstwahrscheinlich bald viel Geld verdienen kann, könnte dagegen im Kurs stark ansteigen.

Dabei sollten sich Anleger aber immer fragen: Wann kauft man? Börsenkurse basieren nie allein auf aktuellen Geschäftsdaten, sondern auch auf den Erwartungen der Investoren. Bei einem Internetkonzern gehen die Anleger vielleicht schon davon aus, dass er in naher Zukunft hohe Erträge erwirtschaftet und haben den Kurs bereits im Vorfeld nach oben getrieben. Enttäuscht die Gesellschaft dann die Erwartungen, könnte der Kurs einbrechen. Deshalb sollten Privatanleger immer Analysteneinschätzungen lesen. Dort recherchieren sie, wie Profis Aktien bewerten und können sich auf dieser Basis so ein eigenes Bild machen.

Zusätzlich sollten Investoren bei einem Aktiencheck den Kursverlauf in der Vergangenheit betrachten. An ihm erkennen sie, ob es sich um eine eher konservative oder spekulative Aktie handelt. Bei spekulativen Wertpapieren finden sich enorme Kursausschläge nach oben und nach unten, Aktienbesitzer können in kurzer Zeit viel Geld verlieren oder gewinnen. Bei konservativen Papieren entwickelt sich der Kurs stabiler, die Ausschläge halten sich in Grenzen.

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