Befreiung Rentenversicherung

Gesetzliche Rente für fast alle

Eine Möglichkeit zur Befreiung von der Rentenversicherung besteht nur für wenige Berufsgruppen oder Beschäftigungsarten. Grundsätzlich sind alle abhängig beschäftigten Arbeitnehmer gesetzlich pflichtversichert. Aber auch viele selbstständige Handwerker, Angehörige der freien Berufe, selbstständig arbeitende Lehrer und Erzieher, Künstler und Publizisten unterliegen der Rentenversicherungspflicht. Durch deren im Laufe der Jahre erfolgte Ausdehnung, versucht der Gesetzgeber vor allem, Altersarmut zu verhindern. Selbst für geringfügige Beschäftigungen gilt mittlerweile die Pflichtversicherung als Regelfall, von der man sich aber befreien lassen kann.

Auch für andere Berufsgruppen oder Beschäftigungsverhältnisse ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Befreiung aus der Rentenversicherung möglich.

Handwerk ist nicht gleich Handwerk

Rentenversicherung

Für selbstständige Handwerker ist zunächst die Art ihres Handwerkes entscheidend in Bezug auf die Versicherungspflicht. Wer einen Gewerbebetrieb in einem sogenannten gefahrengeneigten Bereich anmeldet, für den ein Meisterbrief vorausgesetzt wird, der muss sich auch gesetzlich rentenversichern. In Berufen die auch ohne Meisterbrief eine selbstständige Tätigkeit ermöglichen, etwa als Parkettleger, Goldschmied oder Fotograf, ist auch keine Rentenversicherungspflicht vorgeschrieben. Ein pflichtversicherter Handwerker kann eine Befreiung aus der Rentenversicherung beantragen, wenn er mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge entrichtet hat. Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob das wirklich sinnvoll ist. Gerade Leistungsansprüche, die über die reine Altersvorsorge hinausgehen, etwa in Bezug auf Erwerbsminderung oder Invalidität, sind ab einem bestimmten Alter bei einer privaten Versicherung weitaus teurer. Selbst wenn man die Befreiung beantragt, sollte man eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung in Erwägung ziehen, bei der man die Beitragshöhe selbst bestimmen kann. Damit bleibt einem auch die Möglichkeit zur Förderung von Riester Angeboten erhalten.

Rentenversicherungspflicht bei berufsständischer Versorgung?

Für Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheker, Architekten und alle anderen Angehörigen eines kammerfähigen Berufes besteht die Pflicht zur Mitgliedschaft in einem berufsständischen Versorgungswerk. Diese erbringen in Bezug auf das Alters-, Invaliditäts- und Todesfallrisiko ähnliche Leistungen wie die Gesetzliche Rentenversicherung. Ihre Mitglieder sind aber nicht automatisch von der Rentenversicherungspflicht befreit. Vielmehr muss für jedes Beschäftigungsverhältnis die Befreiung von der Rentenversicherung extra beantragt werden. Selbst bei einer Beförderung muss dieser Antrag erneut gestellt werden. Erfolgt dies nicht innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Beschäftigung, wird eine Befreiung erst ab dem Tag der Antragstellung bewilligt. Für die Zeit davor müssen dann Rentenversicherungsbeiträge nachgezahlt werden.

Versicherungspflicht bei Selbstständigkeit?

Selbstständig arbeitende Lehrer und Erzieher oder im Pflegebereich Tätige sind in der Regel gesetzlich pflichtversichert. Wenn sie allerdings selbst einen oder mehrere Arbeitnehmer versicherungspflichtig beschäftigen, besteht keine Pflichtmitgliedschaft mehr. Dies darf allerdings keine Haushaltshilfe sein, sondern muss mit der eigentlichen selbstständigen Tätigkeit in Bezug stehen.

Für die Frage der Rentenversicherungspflicht unterscheidet der Gesetzgeber zwischen echter Selbstständigkeit und Scheinselbstständigkeit. Wer überwiegend nur für einen Auftraggeber tätig ist, und diesem gegenüber Verpflichtungen eingeht, wie sie eher für Arbeitnehmer üblich sind, der wird als scheinselbstständig eingestuft. Er unterliegt somit der Rentenversicherungspflicht und muss diese Tätigkeit innerhalb von drei Monaten nach Beginn dem Rentenversicherungsträger melden. Eine Befreiung ist unter veränderten Voraussetzungen möglich. Zur Klärung des sozialversicherungsrechtlichen Status hat die Deutsche Rentenversicherung Bund eine Clearingstelle eingerichtet.

Eine Sonderregelung gibt es für Existenzgründer. Sie können sich in der Gründungsphase ihres Unternehmens für drei Jahre von der Versicherungspflicht befreien lassen. Die Befreiung gilt ab dem Beginn der Geschäftstätigkeit, wenn der Antrag innerhalb von drei Monaten gestellt wird, ansonsten ab Antragseingang. Wenn das Unternehmen sich entsprechend entwickelt ist eine dauerhafte Befreiung von der Rentenversicherung möglich. Auch hier kann die Frage, ob man selbst Arbeitnehmer versicherungspflichtig beschäftigt, eine Rolle spielen.

Minijobs sind auch versicherungsfrei möglich

Seit Januar 2013 besteht auch für sogenannte Minijobs die gesetzliche Rentenversicherungspflicht. Wer im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung nicht mehr als 450 Euro monatlich verdient, muss allerdings aktuell (Stand 2014) nur 3,9 % an Beitrag entrichten. Das gilt für denjenigen, der im gewerblichen Bereich arbeitet. Arbeitgeber zahlen hier pauschal 15 %. Wer in einem Privathaushalt beschäftigt ist, muss hingegen 13,9 % an Eigenbeitrag leisten. Die Arbeitgeberpauschale beträgt hier nur 5 %. Der Minijobber muss mit seinem Beitrag die Lücke auffüllen, damit der Pflichtbeitrag von 18,9 % zusammenkommt. Geringfügig Beschäftigte können sich auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Mehr zum Thema