Ertragsanteil Rente

Ertragsanteil der Rente - Was ist gemeint?

Wenn vom Ertragsanteil einer Rente die Rede ist, so ist damit oft nicht der tatsächliche Ertrag oder der in einer Rente enthaltene Zinsgewinn gemeint. Der Begriff wird vielmehr gleichbedeutend mit dem zu versteuernden Anteil von Renteneinkünften gebraucht. Ausgangspunkt ist dabei die Überlegung, dass Beiträge zur Altersvorsorge nicht doppelt besteuert werden sollten, dass Zinsen oder sonstige Vermögenszuwächse aus einer Kapitalanlage aber durchaus einer Besteuerung unterliegen sollten. Für die Besteuerung von Altersvorsorgeeinkünften ist es auch entscheidend, ob die Beitragszahlungen dafür aus bereits versteuertem Einkommen erfolgt sind, oder ob dafür Steuervergünstigungen gewährt wurden.

Besteuerung privater Leibrenten

Rentenversicherung

Unbefristete Leibrenten aus einer privaten Rentenversicherung, für die der Versicherte Beitragszahlungen aus voll versteuertem Einkommen geleistet hat, werden nach dem sogenannten Ertragsanteil besteuert. Da hier eine lebenslange Rentenzahlung vereinbart ist, man aber nicht vorhersagen kann, wie lange der Rentenbezieher tatsächlich lebt und somit Leistungen bezieht, lässt sich der Ertrag auch nicht wirklich genau ermitteln. Das wäre höchstens im Nachhinein möglich. Stattdessen wird der zu versteuernde Anteil der Rente pauschal festgelegt. Ausschlaggebend ist dabei das Renteneintrittsalter. Je früher eine Leibrente beginnt, desto länger dürfte sie statistisch gesehen in Anspruch genommen werden und desto höher dürfte auch der Ertrag ausfallen. Dementsprechend hat der Gesetzgeber für einen Renteneintritt mit 60 Jahren einen Ertragsanteil von 22 % festgelegt. Bei einem Rentenbeginn mit 70 Jahren werden hingegen nur 15 % zur Einkommenssteuer herangezogen.

Bei befristeten Leibrenten, die häufig auch als abgekürzte Leibrenten bezeichnet werden, gelten andere Regeln. Auch hier wird der zu versteuernde Anteil pauschal berechnet. Die Höhe richtet sich aber nicht nach dem Renteneintrittsalter, sondern nach der vertraglich vereinbarten maximalen Bezugsdauer. Für einen Vertrag, der eine 10 jährige Rentenzahlung vorsieht, beträgt der Ertragsanteil der Rente nur 12 %. Wurde hingegen eine maximale Bezugsdauer von 25 Jahren vereinbart, dann müssen 26 % der Einkünfte versteuert werden.

Besteuerung bei Kapitalauszahlung

Bei privaten Rentenversicherungen besteht häufig auch die Möglichkeit, sich das angesparte Kapital bei Fälligkeit vollständig auszahlen zu lassen. In diesem Falle kann der Ertrag der Versicherung tatsächlich genau errechnet werden. Für die Besteuerung gelten die selben Regeln wie bei den Zinsen einer Lebensversicherung. Wenn der Vertrag mindestens 12 Jahre lief und der Versicherte bei der Auszahlung mindestens 60 Jahre alt ist, muss die Hälfte des Ertrages mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wird der Ertrag zu 100 % besteuert. Dabei kommt aber nicht der persönliche Steuersatz zum Ansatz, sondern die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge in Höhe von 25 %.

Die Besteuerung der Rente nach dem Ertragsanteil gilt auch für Renten aus einer privaten Unfallversicherung, einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, für private Veräußerungsrenten und für Zusatzversorgungsrenten. Eine Sofortrente, wofür zuvor keine regelmäßigen Beiträge, sondern eine einmalige Zahlung geleistet wurde, wird auch mit dem Ertragsanteil besteuert, wenn die Merkmale einer lebenslangen Leibrente gegeben sind.

Besteuerung der Rürup-Rente

Als Alternative zu einer Kapitallebensversicherung kommt für Selbstständige seit 2005 auch der Abschluss einer privaten Rürup- oder Basisrente in Frage. Dabei wird der zu versteuernde Anteil der Rente nicht nach dem Ertragsanteil ermittelt. Vielmehr können die Versicherungsbeiträge während der Ansparzeit, im Rahmen bestimmter Höchstbeträge, steuerlich abgesetzt werden. Im Jahr 2005 waren 60 % der Beiträge absetzbar. Bis 2025 steigt dieser Prozentsatz auf 100 %. Für die Besteuerung des Rentenbezugs ist es entscheidend, in welchem Jahr die Rente erstmals ausgezahlt wird. Je später dies der Fall ist desto höher ist der zu versteuernde Anteil. Wer 2020 eine Basisrente erhält, von dessen Bezügen werden 80 % zur Steuer herangezogen. Danach wird der Steueranteil jährlich um ein Prozent erhöht, bis im Jahr 2040 die Besteuerung zu 100 % erreicht wird.

Besteuerung gesetzlicher Renten

Auch im Zusammenhang mit der gesetzlichen Rentenversicherung ist häufig vom Ertragsanteil der Rente die Rede, wenn der zu versteuernde Anteil gemeint ist. Dabei ist diese Bezeichnung hier noch weniger zutreffend, da die gesetzliche Rente auf dem Umlageverfahren basiert und nicht kapitalgedeckt ist. Seit 2005 erfolgt hier die schrittweise Umstellung zur nachgelagerten Besteuerung. Dadurch werden die gesetzlichen Renten und die Beamtenpensionen steuerlich gleichgestellt. Einkünfte aus staatlich geförderten Riester-Renten müssen grundsätzlich voll versteuert werden.

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