Gesetzliche Rentenversicherung

Gesetzliche Rente reicht nicht

Die gesetzliche Rentenversicherung ist neben der Kranken-, der Pflege- und der Arbeitslosenversicherung ein wesentlicher Teil des deutschen Sozialversicherungssystems. Für die meisten Menschen in Deutschland stellt sie die wichtigste Form der Altersvorsorge dar. Die regionalen Träger sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und unter dem gemeinsamen Dach der Deutschen Rentenversicherung organisiert.

Rentenversicherungspflicht

Rentenversicherung

Im Prinzip sind alle Arbeitnehmer und alle Angestellten des Öffentlichen Dienstes in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Auch Auszubildende, Praktikanten, Studenten und Bezieher von Arbeitslosengeld sind gesetzlich rentenversichert. Freiberufliche Publizisten und Künstler, Handwerker sowie selbstständig tätige Landwirte gehören ebenfalls zum versicherungspflichtigen Personenkreis. Selbstständige Handwerker können aber einen Austritt aus der Versicherung beantragen, wenn sie mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge gezahlt haben.

Angehörige der freien Berufe, für die eine Kammermitgliedschaft vorgeschrieben ist, wie z. B. Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte und Steuerberater, sind jedoch von der Rentenversicherungspflicht befreit. Sie müssen sich statt dessen in berufsständischen Versorgungswerken versichern. Ebenso unterliegen Richter und Beamte, sowie geringfügig Beschäftigte nicht der Versicherungspflicht. Nicht versicherungspflichtige Selbstständige können jedoch eine freiwillige Versicherung abschließen.

Beiträge und Beitragsgrenzen

Die gesetzliche Rentenversicherung wird im Wesentlichen aus Beiträgen der Versicherten finanziert. Als monatlicher Beitragssatz wird ein bestimmter Prozentsatz des Arbeitseinkommens angesetzt, der direkt vom Lohn einbehalten und an die Rentenkasse abgeführt wird. Lag dieser Satz in den Fünfzigerjahren noch bei ca. 10 Prozent des Bruttolohnes, so bewegt er sich seit Beginn der Achtzigerjahre immer knapp unter 20 Prozent. Die Arbeitnehmer zahlen davon aber nur die Hälfte. Den anderen Teil müssen die Arbeitgeber aufbringen. Selbstständige Publizisten und Künstler zahlen, genauso wie Arbeitnehmer, nur den halben Beitrag zur Rentenversicherung. Die andere Hälfte wird aber von der Künstlersozialversicherung übernommen.

Freiwillig Versicherte und pflichtversicherte Selbstständige hingegen müssen den Beitrag in voller Höhe zahlen. Der Mindestbeitrag errechnet sich aus dem aktuellen Beitragssatz (z. B. 18,9 % in 2014) multipliziert mit dem Grenzwert für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (450 EUR). Als Beitragsbemessungsgrenze bezeichnet man eine maximale Obergrenze des Einkommens, bis zu der die prozentuale Berechnung des Beitrages erfolgt. Dadurch wird sowohl die Höhe der Beiträge als auch die Höhe der Leistungen nach oben hin begrenzt. Neben den Beiträgen der Versicherten fließen auch Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt in die gesetzlichen Rentenkassen.

Altersrente - Voraussetzungen und Höhe

Die wichtigste Aufgabe für die Gesetzliche Rentenversicherung besteht in der finanziellen Absicherung der Versicherten im Alter. Voraussetzung für den Bezug einer Altersrente ist, dass man die Regelaltersgrenze erreicht hat, und zuvor eine bestimmte Mindestzeit versichert war. Die Altersgrenze lag bis 2011 bei 65 Jahren und wird seitdem stufenweise erhöht. Das heißt, jedes Jahr wird die Altersgrenze zunächst um einen Monat angehoben. Ab 2025 werden dann jährlich zwei Monte dazu geschlagen, bis dann im Jahr 2031, die Regelaltersgrenze bei 67 Jahren liegen wird. Die Mindestversicherungszeit, häufig auch als Wartezeit bezeichnet, beträgt 5 Jahre.

Die Rentenberechnung hängt von der Höhe der gezahlten Beiträge ab. Je mehr und je länger man einzahlt, desto höher sind die, in Form von Entgeltpunkten, erworbenen Ansprüche. Für schulische oder berufliche Ausbildungszeiten werden zusätzliche Punkte gut geschrieben. Kindererziehungszeiten werden so angerechnet, als habe man den Pflichtbeitrag eines Durchschnittsverdieners gezahlt. Wer früher in Rente gehen will, muss fortdauernde Abschläge auf die Rentenleistungen in Kauf nehmen. Wer hingegen länger arbeitet, erhält dafür dauerhaft Zuschläge. Wie hoch die Differenzen sind, lässt sich mit einem Rechner der Deutschen Rentenversicherung auch online ermitteln.

Solidarleistungen

Arbeitnehmer, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nicht mehr voll arbeiten können, haben Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation. Wenn die Arbeitsfähigkeit jedoch dauerhaft eingeschränkt ist, besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein gesetzlicher Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Deren Höhe hängt vom Grad der Erwerbsminderung ab und wird vom Rentenversicherungsträger bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze geleistet. Danach wird eine Altersrente gezahlt, die jedoch aufgrund der Frühverrentung entsprechend niedriger ausfällt.

Darüber hinaus werden im Falle des Todes eines Versicherten auch Leistungen an Hinterbliebene gezahlt. Ehepartner können eine Witwen- oder Witwer-Rente beziehen. Wenn unterhaltsberechtigte Kinder einen oder beide Elternteile verlieren, haben sie Anspruch auf Waisenrente.

Zukunftsaussichten

Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland funktioniert nach dem Umlageverfahren. Während bei privaten Rentenversicherungen Kapital über lange Jahre angespart werden muss, erfolgt hier die Zahlung der Renten direkt aus den Beiträgen der Erwerbstätigen. Das funktioniert nur so lange gut, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern einigermaßen ausgeglichen ist. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland droht dieses Verhältnis aus dem Ruder zu laufen. Um die Beitragszahlen auf einem vertretbaren Level zu halten, wird das Niveau der ausbezahlten Renten in den kommenden Jahrzehnten sinken müssen. Zur Sicherung des Lebensstandards werden die Ansprüche aus der Pflichtversicherung kaum noch aus reichen. Zusätzliche Formen der privaten Vorsorge wie die Riester-Rente werden umso wichtiger. Rentenrechner im Internet können dabei behilflich sein, die Höhe der zu erwartenden Versorgungslücke zu ermitteln.

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