Knappschaftliche Rentenversicherung

Das schwarze Rentengold

Die knappschaftliche Rentenversicherung wird von der Knappschaft-Bahn-See getragen. Hervorgegangen aus der Bundesknappschaft, der Bahnversicherungsanstalt und der Seekasse, fungiert diese seit Oktober 2005 unter dem Dach der Deutschen Rentenversicherung und hat ihren Hauptsitz in Bochum. Alle sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer aus den Bereichen Bergbau, Hochseeschifffahrt und der Deutschen Bahn werden von ihr betreut. Zudem kümmert sich die Minijob-Zentrale unter dem Dach der KBS auch um alle geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse.

Sozialversicherung mit langer Tradition

Rentenversicherung

Die Knappschaft gilt als älteste Sozialversicherung der Welt. Ihre Geschichte steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Bergbaus, den besonderen Gefahren, denen dieser Berufsstand ausgesetzt war und der Notwendigkeit einer sozialen Absicherung der Bergknappen und ihrer Angehörigen. Wesentliche Errungenschaften moderner sozialer Sicherungssysteme gehen auf die Knappschaft zurück. Der Aufbau eines Renten- und Krankenversicherungssystems, die Hinterbliebenenversorgung, die Sozialversicherungspflicht, die solidarische Beitragszahlung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die erste Rentenformel und die soziale Selbstverwaltung - all diese Elemente einer organisierten Sozialfürsorge gehen auf die Knappschaft zurück. Der Aufgabenbereich der KBS ist heute sehr breit gefächert. Eine zentrale Rolle spielt dabei immer noch ihre Funktion als Sonder-Versicherungsträger für Angestellte der Deutschen Bahn, Seemänner und Bergleute. Die knappschaftliche Rentenversicherung erfüllt dabei eine Doppelfunktion. Sie ist quasi gesetzliche Rente und betriebliche Altersvorsorge in einem Paket. Durch verschiedene Sonderkonditionen wird dabei den besonderen Gefahren der knappschaftlichen Tätigkeit Rechnung getragen.

Die Rente für Bergleute

Bergleute können unter verschiedenen Voraussetzungen schon ab dem 50. Lebensjahr eine Rente für Bergleute beziehen und somit vorzeitig in den Ruhestand gehen. Diese besondere Rentenart wird gewährt, wenn man im Bergbau nur noch vermindert berufsfähig ist, man also nicht mehr in der Lage ist, seinen knappschaftlichen Beruf oder eine wirtschaftlich gleichwertige Beschäftigung auszuüben. Außerdem wird eine Versicherungszeit von mindestens 5 Jahren sowie die Zahlung von Pflichtbeiträgen in die knappschaftliche Rentenversicherung für mindestens drei Jahre innerhalb der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Berufsunfähigkeit vorausgesetzt.

Rente für Bergleute kann aber auch beziehen, wer mindestens 50 Jahre alt ist, mindestens 25 Jahre lang überwiegend unter Tage beschäftigt war und, im Vergleich zum bis dahin ausgeübten Beruf, nicht mehr wirtschaftlich gleichwertig beschäftigt werden kann. Die Rente für Bergleute wird nur aus knappschaftlichen Versicherungszeiten berechnet. Für jeden Monat vor dem 63. Geburtstag, ab dem man diese Rente in Anspruch nimmt, muss man einen Abschlag von 0,3 %, höchstens jedoch 3,6 % in Kauf nehmen.

Die Knappschaftausgleichsleistung

Die zum Ende der 1950er-Jahre beginnende Kohlekrise führte zu einem massiven Arbeitsplatzabbau in den Kohlerevieren. Viele Zechen vor allem im Ruhrgebiet mussten ihren Betrieb einstellen. Für ältere Facharbeiter war es kaum möglich, adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Bereichen zu finden. Um die Situation sozial abzufedern, beschloss die Bundesregierung bereits 1963 die Einführung der Knappschaftsausgleichsleistung. Darauf haben Bergleute Anspruch, wenn sie mindestens 55 Jahre alt sind, unverschuldet gekündigt wurden, und zuvor mindestens 25 Jahre lang unter Tage gearbeitet haben. Sie wird berechnet wie eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Zugrundegelegt werden allerdings nur Entgeltpunkte aus der knappschaftlichen Rentenversicherung. Punkte, die in der allgemeinen gesetzlichen Rentenversicherung gesammelt wurden, können erst bei einer späteren normalen Rente berücksichtigt werden. Auch die bei der Rente von Bergarbeitern üblichen Leistungszuschläge werden bei der KAL nicht eingerechnet. KAL-Bezieher dürfen außerdem nur geringfügige Beschäftigungen bis zu einem Verdienst von 450 EUR ausüben, wenn sie ihren Leistungsanspruch nicht verlieren wollen. Im Anschluss an die Knappschaftausgleichsleistung können Bergleute alle anderen Rentenarten beziehen, für die sie die Voraussetzungen erfüllen. Dabei wird die Bezugszeit der KAL als rentensteigernde Anrechnungszeit anerkannt.

Altersrente für langjährig unter Tage arbeitende Bergleute

Bergleute, die ständig unter Tage gearbeitet haben und die Wartezeit von 25 Jahren erfüllt haben, können abschlagsfrei in Rente gehen, sobald sie das 60. Lebensjahr erreicht haben. Die Altersgrenze wird für Versicherte, die nach dem 31.12.1951 geboren wurden, schrittweise angehoben. 1964 Geborene können sie also in der Regel erst mit Vollendung des 62. Lebensjahres in Anspruch nehmen. Wer allerdings nach einer Arbeitslosigkeit, in der er Anpassungsgeld für entlassene Arbeitnehmer des Bergbaus oder die Knappschaftausgleichsleistung bezogen hat, in Rente gehen will, der kann das aus Gründen des Vertrauensschutzes weiterhin mit 60 Jahren tun.

Bei der Berechnung der Rente werden Entgeltpunkte aus der allgemeinen als auch aus der knappschaftlichen Versicherung berücksichtigt. Dazu kommen noch Leistungszuschläge für langjährige Untertagearbeiten, die in Form zusätzlicher Entgeltpunkte in die Rentenberechnung einfließen. Zwischen 1971 und 2007 wurden für Schichten unter Tage auch steuer - und sozialversicherungsfreie Prämien an die Bergleute gezahlt. Diese Bergmannsprämie wird ebenso beim Verdienst mit eingerechnet, der die Grundlage zur Berechnung der Entgeltpunkte bildet.

Die Doppelfunktion der knappschaftlichen Rente als allgemeine Altersrente und betriebliche Zusatzversorgung findet ihren deutlichsten Ausdruck im Rentenartfaktor. Dieser beträgt bei der knappschaftlichen Versicherung 1,33 und ist damit um ein Drittel höher als bei der normalen Altersrente. Die bezogene Rente fällt natürlich dementsprechend höher aus.

Höhere Arbeitgeberbeiträge und Bemessungsgrenzen

Im Unterschied zu anderen Branchen müssen Arbeitgeber in knappschaftlichen Betrieben höhere Beiträge zur Rentenversicherung entrichten. Arbeitnehmer im Bergbau zahlen, wie in anderen Branchen auch, zur Zeit 9,45 % des Bruttolohnes als Rentenbeitrag. Der Gesamtbeitragssatz beträgt aber 25,1 %, wovon der Arbeitgeber 15,65 % übernehmen muss. Für die knappschaftliche Rentenversicherung gilt auch eine höhere Beitragbemessungsgrenze. Der Höchstbeitrag liegt in der knappschaftlichen Versicherung um etwa 20 % höher als in der allgemeinen Rentenversicherung.

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