Lebensversicherung Kündigen Rückkaufswert

Der Policenrückkauf

Bei anderweitig nicht zu deckendem Geldbedarf sieht sich ein Versicherungsnehmer häufig veranlasst, seine Lebensversicherung zu kündigen und den Rückkaufswert zu vereinnahmen. Nur eine Kapitallebensversicherung bildet einen Rückkaufwert, sodass die Kündigung einer Risikolebensversicherung nicht zu einem Auszahlungsanspruch führt. Wer den Rückkauf seiner Lebensversicherung plant, sollte sich im Vorfeld einer Vertragsbeendigung bei seinem Versicherer über die Höhe des Rückkaufswerts informieren. Häufig lohnt es sich, zur Überprüfung des vom Versicherer ermittelten Rückkaufswerts einen der im Internet präsenten Onlinerechner zu nutzen, da manchmal die Versicherer zum Nachteil des Kunden vom gesetzlichen Mindestbetrag abweichen. Oft ist es ratsam, die vertraglichen Vereinbarungen, insbesonders die Bestimmungen über die Berechnung des Rückkaufswerts, fachkundig prüfen zu lassen, da es eine umfangreiche Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hierzu gibt, die maßgeblich auf die bei Vertragsschluss geltende Rechtslage abstellt.

Lebensversicherungen

Die aktuelle Rechtslage wird bei seit 2008 neu abgeschlossenen Lebensversicherungen durch § 169 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) bestimmt, der darauf abstellt, welche Ansprüche dem Versicherungsnehmer bei vollständiger Vertragserfüllung bis zum Laufzeitende zustünden. Hiervon ist die Summe der Beiträge in abgezinster Form abzusetzen, die der Versicherungsnehmer noch erbringen müsste, um die vollständige Vertragsleistung zu erhalten. Aus dem Versicherungsschein bzw. aus einer Anlage hierzu ergeben sich für jedes Versicherungsjahr die Rückkaufwerte, die zu einem bestimmten Stichtag, meist zum Jahrestag des Abschlussdatums, erreicht werden. Diese Beträge sind als garantierte Mindestsummen zu betrachten, zu denen sich unwiderruflich gutgeschriebene Überschussanteile und ggf. auch anteilige Schlussgewinnanteile und Anteile an den Bewertungsreserven addieren. Eine nachträgliche Senkung des zugesagten Rückkaufswerts ist nur unter den engen Voraussetzungen des § 169 Absatz 2 VVG möglich.

Die Ermittlung des Rückkaufswerts

Wer seine Lebensversicherung kündigen und den Rückkaufswert erhalten möchte, interessiert sich häufig für den Betrag, der bei Beendigung des Versicherungsvertrages zur Auszahlung kommt. Dabei kann es vor allem in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit vorkommen, dass der Rückkaufswert hinter der Summe der bereits gezahlten Beiträge zurückbleibt. Zwar ist der Rückkaufswert auf der Basis der Rechnungsgrundlage der Beitragskalkulation zu ermitteln, die sich am Deckungskapital orientiert. Der Versicherer ist jedoch zu einem Stornoabzug berechtigt, wenn dies vertraglich vereinbart ist.

Während die Rechtslage für ab dem Jahre 2008 abgeschlossene Lebensversicherungen durch § 169 VVG bestimmt wird, sind zahlreiche Vertragsklauseln in älteren Verträgen unter Umständen unwirksam. Insoweit hat der Bundesgerichtshof für Verträge aus den Jahren 1994 bis 2001 einen Mindeststandard definiert, wonach der sich aus der Vertragsbeendigung ergebende Nachteil vom Versicherer und Versicherungsnehmer je zur Hälfte zu tragen ist. Ähnliches gilt auch für Versicherungsverträge, die 2002 bis 2007 abgeschlossen wurden.

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