Mündelsichere Geldanlage

Geldanlagen für Schutzbefohlene

Mündelsichere Geldanlagen stehen für Anlageformen, die gemeinhin als besonders sicher und wertstabil gelten. Vermögen von Personen, die unter Vormundschaft, Betreuung oder Pflegschaft stehen und daher in ihrer Handlungs- und Geschäftsfähigkeit eingeschränkt sind, sollen damit möglichst vor Verlusten geschützt werden. Dazu dienen die Vorschriften über mündelsichere Geldanlagen.

Geldanlage

Entsprechende Regelungen zur Mündelsicherheit finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) im Zusammenhang mit den Bestimmungen über die Vormundschaft (§§ 1773 ff. BGB). Über § 1908i BGB ist die Anwendung analog für die Betreuung und über § 1915 BGB für die Pflegschaft geregelt. Konkrete Vorgaben über die mündelsichere Geldanlage enthalten die §§ 1805 ff. BGB. Sie erstrecken sich auf den Teil des jeweiligen Vermögens, der nicht zur Bestreitung des laufenden Lebensunterhaltes benötigt wird.

Mündelsichere Geldanlagen - definierter Anlagekatalog

Mündelgelder sind grundsätzlich verzinslich anzulegen (§ 1805 BGB). Damit scheiden de facto alle Formen der Geldanlage, bei denen keine Zinsen als Erträge anfallen, aus. Dazu gehören insbesondere Aktien, im Regelfall auch Investmentfonds - auf jeden Fall jegliche Form von Derivaten. § 1807 BGB enthält einen Katalog von Anlageformen, welche explizit als mündelsicher anerkannt sind. Konkret handelt es sich dabei um

  • inländische Forderungen, die grundpfandrechtlich (Hypothek, Grundschuld, Rentenschuld) abgesichert sind,
  • Bundes- und Landesanleihen sowie Bundesschatzbriefe,
  • sonstige verzinsliche Anleihen, die durch den Bund oder die Länder garantiert werden,
  • Pfandbriefe einer Pfandbriefbank,
  • verzinsliche Einlagen bei Sparkassen und Banken, die eine entsprechende Eignung besitzen.

Schutz vor Ausfällen als oberstes Prinzip

Mündelsicherheit bedeutet insbesondere, dass die Geldanlage weitestgehend vor Ausfällen durch den Gläubiger geschützt sein muss. Dies wird bei Anlagen, hinter denen der deutsche Staat steht, grundsätzlich als gegeben angesehen. Bei Sparkassen und Banken wird die Sicherheit vor Ausfallrisiken durch die Zugehörigkeit zur gesetzlichen Einlagensicherung hergestellt. Deutsche bzw. in Deutschland niedergelassene Institute sind darüber hinaus noch eigenen Einlagensicherungssystemen angeschlossen, die einen erweiterten Schutz bieten. In diesem Sinn gelten Sparkassen- und Bankeinlagen ebenfalls als mündelsicher. Typischerweise handelt es sich dabei um Einlagen auf Sparkonten und Tagesgeldkonten sowie um Sparbriefe und Termineinlagen.

Da die genannten Anlageformen vor allem auf Sicherheit ausgerichtet sind, halten sich die Renditeperspektiven üblicherweise in engen Grenzen. Dies gilt bereits in "normalen" Zinszeiten, insbesondere aber in der derzeitigen Niedrigzinsphase. Herkömmliches Sparen bietet kaum noch Zinserträge. Bei kurz- und mittlelfristigen Bundesanleihen ist die Rendite aktuell sogar negativ, so dass es effektiv bei einer mündelsicheren Anlage sogar zum Vermögensverlust kommt, selbst wenn das Ausfallrisiko praktisch ausgeschlossen ist.

Mündelsicher ist nicht immer sicher

Um Vormündern, Beteuern und Pflegern mehr Flexibilität im Hinblick auf mündelsichere Geldanlagen zu geben, hat der Gesetzgeber seit jeher Ausnahmen von dem Anlagenkatalog in § 1807 BGB zugelassen. Nach § 1811 BGB kann eine andere Geldanlage gestattet werden, sofern die Strategie nicht den "Grundsätzen einer wirtschaftlichen Vermögensverwaltung" zuwiderläuft. Dazu ist eine explizite Genehmigung durch das zuständige Gericht erforderlich.

In der Vergangenheit wurden in diesem Zusammenhang mehrfach Fondsanlagen - u.a. in Aktienfonds - als Mündelgelder zugelassen. Die entsprechenden Fondsanbieter und Finanzvertriebe vermarkten diese Produkte gerne als "mündelsicher", obwohl hier deutlich erhöhte Risiken bestehen. Einzelne genehmigte Fonds erzielten zum Beispiel in der Finanzkrise zweistellige Kursverluste. Nicht jede als mündelsicher deklarierte Geldanlage ist daher auch zwangsläufig sicher.

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