Renteneintrittsalter

Länger arbeiten für weniger Rente

Etwa jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland gibt seine Berufstätigkeit schon vor dem Erreichen des regulären Renteneintrittsalters auf. Besonders in Branchen mit starker körperlicher Belastung halten nur die Wenigsten bis zur Regelaltersgrenze durch. In akademischen Berufen gehen viel weniger Beschäftigte vorzeitig in den Ruhestand. Diese Unterschiede werden vom Gesetzgeber in seinen Rentenreformen leider kaum berücksichtigt.

Demografischer Wandel und seine Folgen

Rentenversicherung

Das System der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland fußt auf dem sogenannten Umlageverfahren. Die Renten der Ruheständler werden direkt aus den Beitragszahlungen der aktiven Generation finanziert. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung wachsen auch die Belastungen der Rentenkasse, da immer mehr Anspruchsberechtigte immer länger versorgt werden müssen. Die geburtenstarken Jahrgänge der Fünfziger- und Sechzigerjahre erreichen nun, nach und nach, das Rentenalter. Demgegenüber stehen geburtenschwache Jahrgänge, die diese Renten finanzieren müssen.

Um deren finanzielle Belastung auf einem vertretbaren Niveau zu halten, wurde die Rentenhöhe allmählich abgesenkt. Bezog ein Standardrentner Mitte der Achtzigerjahre noch 57 Prozent seines zuvor erzielten Einkommens, so soll dieser Wert im Jahr 2025 nur noch bei 46 Prozent liegen. Um dieses tiefe Niveau überhaupt halten zu können, wurden bei der Rentenreform von 2007 auch die Altersgrenzen für den Renteneintritt erhöht.

So erhöht sich das Renteneintrittsalter

Bis 2011 lag das reguläre Renteneintrittsalter bei 65 Jahren. Seit 2012 wird diese Grenze stufenweise auf 67 Jahre erhöht. Zunächst muss jeder neue Jahrgang einen Monat länger arbeiten, um den vollen Rentenanspruch zu erwerben. Ab 2025 werden jährlich zwei Monte dazu geschlagen, bis im Jahr 2031 die Altersgrenze dann bei 67 Jahren liegt. Während also in 2011 die 1946 geborenen noch mit 65 in den Ruhestand wechseln konnten, werden Angehörige des Jahrgangs 1964 zwei Jahre länger bis zur vollen Rente arbeiten müssen.

Arbeitnehmer, denen aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen ein Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent anerkannt wurde, konnten bis 2011 bereits mit 63 Jahren die volle Rente erhalten. Auch diese Grenze wird durch die Reform von 2007 stufenweise erhöht und ab dem Jahr 2031 bei 65 Jahren liegen. Voraussetzung dazu ist auch, dass man eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren auf seinem Rentenkonto stehen hat.

Ausnahmen und Sonderfälle

Von der Anhebung des Renteneintrittsalters ausgenommen sind Personen, die besonders lange versichert sind. Wessen Rentenkonto 45 Pflichtbeitragsjahre aufweist, der kann auch weiterhin mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Bei den Pflichtbeitragszeiten werden auch Kindererziehungszeiten, Phasen der Pflege von Angehörigen, Wehr- und Zivildienst, Minijobs sowie Zeiten, in denen Krankengeld bezogen wurde, berücksichtigt. Phasen, in denen Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe bezogen wurde, können dabei jedoch nicht angerechnet werden.

Sonderregelungen gibt es auch für Frauen, die vor 1952 geboren wurden. Unter bestimmten Voraussetzungen erhalten sie mit 65 Jahren die volle Rente. Im Alter von 60 Jahren können sie auch vorzeitig in Rente gehen, müssen dabei aber Abschläge hin nehmen. Besondere Regelungen gelten zudem für Bergleute und bei Altersteilzeit.

Abschläge bei vorgezogener Rente

Viele Arbeitnehmer wollen oder können nicht bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeiten. Wie schon bisher, kann man auch in Zukunft bereits mit 63 Jahren in den Ruhestand treten, wenn die Mindestwartezeit von 35 Jahren erfüllt ist. Dafür muss man aber höhere Abschläge in Kauf nehmen. Jeder Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme verringert die Rente um 0,3 Prozent. Das gilt dann bis zum Lebensende. Wer also 1964 geboren ist und eigentlich bis 67 arbeiten sollte, der muss mit Abzügen von 14,4 Prozent rechnen, wenn er schon mit 63 in Rente gehen will. Wie hoch der prozentuale Abschlag durch die vorgezogene Rente ausfällt, kann man einer Tabelle entnehmen, die von der Deutschen Rentenversicherung zur Verfügung gestellt wird.

Seit 2002 informieren die Rentenversicherungsträger ihre Versicherten regelmäßig über die zu erwartende Rente. Das beinhaltet auch Angaben zu bisher erworbenen Entgeltpunkten. Zur Berechnung möglicher Versorgungslücken sind diese Informationen sehr nützlich. Ein dafür konzipierter Rechner kann mit ihrer Hilfe und einigen weiteren Daten relativ genau ermitteln, wie hoch die Abschläge bei vorzeitigem Renteneintritt konkret wären.

Auf Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung allein ist eine Absicherung des Lebensstandards im Alter nicht mehr gegeben. Mit staatlicher Förderung soll die Riester-Rente dabei helfen, Versorgungslücken zu schließen.

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