Aktien kaufen: Anleitung für das erste Depot
Wer erstmals Aktien kaufen möchte, braucht ein Depot. Dort liegen deine Wertpapiere. Über das Depot kaufst und verkaufst du sie. Investiere nur Geld, auf das du langfristig verzichten kannst: Aktienkurse schwanken. Verkaufst du nach einem Kursrückgang, wird der Verlust endgültig.
Vergleiche Depotanbieter, eröffne ein Depot, wähle die Aktie eindeutig aus und prüfe und bestätige die Order. Mit einer einzelnen Aktie konzentrierst du dein Geld auf ein Unternehmen. Deshalb raten Verbraucherzentralen dazu, das Geld für den langfristigen Vermögensaufbau breit zu streuen, statt in wenige einzelne Aktien zu investieren.
Geld und Anlageziel klären
Investiere nur Geld, das du für längere Zeit nicht benötigst. Plane absehbare Ausgaben ein und halte eine finanzielle Reserve für unerwartete Kosten zurück. Lege Geld, das du bald für Miete, Reparaturen oder andere feste Ausgaben brauchst, nicht in Aktien an. Deren Kurse schwanken.
Prüfe auch bestehende Schulden. Zahle teure Kredite in der Regel zuerst zurück. Die Kreditzinsen sind bekannt, während du nicht weißt, welche Rendite eine Aktie bringt. Überlege außerdem, wie du reagieren würdest, wenn der Kurs deutlich fällt. Wer bei einem Verlust in Panik verkaufen würde, sollte die Anlagehöhe und das Risiko noch einmal überdenken.
Depotanbieter vergleichen
Ein Depotanbieter verwahrt Wertpapiere und leitet Kauf- und Verkaufsaufträge weiter. Vergleiche nicht nur die beworbenen Gebühren pro Auftrag. Prüfe auch, ob du für das Depot oder die Verwahrung zahlst, welche Handelsplätze du nutzen kannst und ob bestimmte Dienstleistungen oder Zahlungen in Fremdwährungen zusätzliche Gebühren kosten.
Lies das Preisverzeichnis und die Kosteninformationen, die vor einem Kauf angezeigt werden. Ein günstiger Auftragspreis sagt allein wenig über die Gesamtkosten aus: Auch Gebühren des Handelsplatzes und der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs können eine Rolle spielen. Die Tarife ändern sich, deshalb solltest du die Kosten beim Anbieter direkt vor der Eröffnung prüfen.
Achte außerdem darauf, ob der Anbieter die Aktien und Märkte anbietet, die dich interessieren. Der Depotanbieter nimmt deinen Auftrag entgegen und leitet ihn an einen Handelsplatz weiter. Das ist eine Börse oder eine andere Handelsplattform.
Depot eröffnen und anmelden
Stelle den Antrag beim ausgewählten Anbieter. Dafür brauchst du üblicherweise persönliche Angaben und eine Identitätsprüfung. Je nach Anbieter erfolgt diese etwa per Video, Post oder elektronischem Ausweis. Der genaue Ablauf unterscheidet sich, daher gelten die Anweisungen des jeweiligen Anbieters.
Häufig gehört zum Depot ein Verrechnungskonto. Darüber werden Käufe, Verkäufe und gegebenenfalls Ausschüttungen abgerechnet. Überweise vor dem ersten Kauf ausreichend Geld dorthin und kontrolliere, ob der Kontostand den Auftrag und mögliche Gebühren abdeckt.
Aktie eindeutig auswählen
Suche die Aktie im Depot am besten über ihre ISIN oder WKN. Mit diesen Kennnummern lässt sich ein Wertpapier eindeutig erkennen. So verwechselst du es nicht mit einem ähnlich benannten Unternehmen oder einem anderen Wertpapier.
Prüfe vor dem Kauf, welches Unternehmen hinter der Aktie steht und ob du dessen Geschäft und Risiken verstehst. Eine Aktie steht für eine Beteiligung an einem Unternehmen. Entwickelt sich dieses Unternehmen schlecht, kann der Kurs stark fallen; im Extremfall verliert die Aktie ihren gesamten Wert. Eine einzelne Aktie macht dein Anlageergebnis stark von genau diesem Unternehmen abhängig. Diversifikation bedeutet, das Geld auf verschiedene Unternehmen, Regionen oder Anlageklassen zu verteilen und damit die Abhängigkeit von einzelnen Anlagen zu verringern.
Kauforder ausfüllen
Wähle im Depot die Aktie, die Stückzahl, den Handelsplatz und die Orderart. Eine Order ist ein Auftrag, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen. Prüfe auch, wie lange der Auftrag gilt, welche Kosten angezeigt werden und wie hoch der Gesamtbetrag ist, bevor du ihn bestätigst.
Bei einer Limitorder gibst du beim Kauf den höchsten Preis an, den du pro Aktie zahlen willst. Liegt der verfügbare Preis darüber, wird die Order nicht ausgeführt. Ein unlimitierter Auftrag enthält keine eigene Preisgrenze und wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Dieser Preis kann vom zuletzt angezeigten Kurs abweichen.
Der Abstand zwischen dem Briefkurs, also dem angebotenen Verkaufspreis, und dem Geldkurs, also dem gebotenen Kaufpreis, heißt Spread. Er ist ein zusätzlicher Kostenfaktor neben den ausdrücklich ausgewiesenen Gebühren. Bei Aktien, die seltener gehandelt werden, ist es schwieriger, einen günstigen Preis zu bekommen. Vergleiche deshalb vor dem Kauf die verfügbaren Handelsplätze und achte auf den angezeigten Kurs.
Kontrolliere vor der Bestätigung noch einmal, ob du die richtige Aktie ausgewählt hast, die Stückzahl zu deinem Budget passt und du die Preisgrenze bewusst gewählt hast. Ein Limit begrenzt den Kaufpreis, garantiert aber keine Ausführung. Bei einer unlimitierten Order erhältst du dagegen keine selbst gesetzte Preisobergrenze.
Ausführung und Abrechnung prüfen
Nach dem Kauf zeigt das Depot, ob die Order vollständig ausgeführt wurde, nur teilweise ausgeführt wurde oder noch offen ist. Kontrolliere anschließend die Wertpapierabrechnung und die Depotübersicht. Dort siehst du, wie viele Aktien gekauft wurden, welchen Preis du tatsächlich gezahlt hast und welche Kosten berechnet wurden.
Ein offener Auftrag ist nicht automatisch ein Fehler: Bei einer Limitorder kann der Kurs außerhalb deiner Preisgrenze liegen. Prüfe den Auftragsstatus, bevor du einen zweiten Kaufauftrag erteilst. Sonst riskierst du, unbeabsichtigt mehr Aktien zu kaufen als geplant.
Häufige Fehler beim Aktienkauf vermeiden
Ein häufiger Fehler ist, Geld anzulegen, das kurzfristig gebraucht wird. Sinkt der Kurs kurz vor einer geplanten Ausgabe, bleibt oft nur der Verkauf mit Verlust oder die Verschiebung der Ausgabe. Lege deshalb vor dem Kauf fest, für welchen Zeitraum du auf das Geld verzichten kannst.
Wenn du langfristig dein Vermögen mit nur einer oder wenigen Aktien aufbauen willst, hängt dein Erfolg stark von diesen Unternehmen ab. Eine breite Streuung senkt die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen, schützt aber ebenfalls nicht vor allgemeinen Kursverlusten. Einzelaktien eignen sich daher nicht automatisch als alleinige Grundlage der Geldanlage.
Wer nur auf den angezeigten Orderpreis schaut, übersieht möglicherweise weitere Kosten. Berücksichtige Verwahrentgelte, Handelsplatzkosten und den Spread. Ebenso riskant ist die Annahme, der zuletzt sichtbare Kurs sei der garantierte Kaufpreis. Eine unlimitierte Order wird zum verfügbaren Preis ausgeführt; ein Limit wiederum kann unausgeführt bleiben.
Lass dich nicht zu einer schnellen Anlageentscheidung drängen. Prüfe Unternehmen und Anbieter in Ruhe. Eine behördliche Zulassung des Anbieters ist keine Empfehlung für ein bestimmtes Wertpapier und schützt nicht vor Kursverlusten.
Depot und Zugang schützen
Öffne das Depot über die offizielle App oder eine selbst eingegebene beziehungsweise gespeicherte offizielle Internetadresse. Verwende ein einzigartiges, starkes Passwort und aktiviere zusätzliche Anmeldeschritte, wenn der Anbieter sie anbietet. Gib PIN, Passwort und Freigabecodes nicht an andere weiter.
Gib Zugangsdaten nicht über Links in unerwarteten Nachrichten ein. Führe eine Identitätsprüfung nur durch, wenn Anbieter und Zweck eindeutig feststehen. Prüfe den Anbieter bei Zweifeln über offizielle Aufsichtsstellen. So findest du heraus, mit wem du den Vertrag abschließt. Vor Verlusten durch fallende Aktienkurse schützt dich das nicht.
Wertpapiere in deinem Depot bleiben grundsätzlich dir zugeordnet, auch wenn der Depotanbieter in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Das schützt ihren Marktwert nicht: Fällt der Aktienkurs, sinkt der Wert der Anlage unabhängig davon, bei welchem Anbieter das Depot liegt.
Begriffe für den ersten Aktienkauf
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Depot | Konto zur Verwahrung und zum Handel von Wertpapieren. |
| Verrechnungskonto | Geldkonto, über das Käufe, Verkäufe und häufig auch Ausschüttungen abgerechnet werden. |
| ISIN und WKN | Kennnummern zur eindeutigen Identifizierung eines Wertpapiers. |
| Order | Auftrag zum Kauf oder Verkauf, einschließlich Angaben wie Stückzahl und Preisvorgabe. |
| Limitorder | Kaufauftrag mit einem Höchstpreis. Die Ausführung ist nicht garantiert. |
| Handelsplatz | Börse oder andere Plattform, an die der Depotanbieter den Auftrag weiterleitet. |
| Spread | Abstand zwischen Geldkurs und Briefkurs. Er kann die Kosten eines Kaufs oder Verkaufs erhöhen. |
| Diversifikation | Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlagen, um die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen zu senken. |
| Sparer-Pauschbetrag | Steuerlicher Pauschbetrag für Kapitalerträge. Die persönliche steuerliche Behandlung hängt vom Einzelfall ab. |